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Das Offshore - Business

Geschrieben von Martin   
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Auf 500 Milliarden $ /Jahr schätzt man den Verlust der weltweiten Einkommen, als Folge der Kapitalflucht der Multis in die Offshoreparadiese. Genug Geld um die Jahrtausendziele der Vereinten Nationen zu finanzieren. Zivile Gruppen und Organisationen stellen immer mehr das Offshorefinanzsystem in Frage. (Auszug: La Diaria) Die steigenden Sozialkosten, die mitunter durch die Steuerflucht entstehen, erregen weltweit öffentliches Interesse. Offshoreparadiese spielen dabei eine zentrale Rolle. Folge dabei: Übertragung der Steuerlast der Reichen auf die Armen und weniger Steuereinnahmen für den Staat. Die Weltorganisation der freien Gewerkschaften macht auf eine weltweite Steuerkrise aufmerksam, die durch den Steuerwettbewerb entstehen könnte, weil die Mächtigen ihre Einkommen und Gewinne in den Offshorezentren problemlos verstecken können.

Ungefähr 70 Zentren gibt es weltweit, sie reichen von den Caimaninseln und Monaco über Zypern, Luxemburg, Macao bis hin zu der Isle of Man im Kanal.

Vielmals besteht die Büroausstattung dieser Ableger von internationalen Grossbanken nicht mehr als aus ein paar Schränken und Computern. Diese Unternehmen zahlen praktisch keine Steuern und erfüllen gerade einmal die notwendigsten Normen und Registrierungsbestimmungen und sie können ihre Geschäfte abwickeln ohne dass eine physische Präsenz notwendig wäre. Noch wichtiger aber ist, dass die Offshoreunternehmen ihren Klienten absolute Anonymität zusichern, dies wiederum hat viele Unternehmen und Geschäftsleute veranlasst ihre Aktivas in die Offshorezentren umzuleiten.

Anfang der neunziger Jahre schon hat die Internationale Zahlungsbank festgestellt, dass in den Offshorezentren ein fünffaches an Geldmitteln vorhanden ist, als alle Zentralbanken zur Verfügung haben. Man schätzt, dass ein Betrag von 11 Billionen $ dort versteckt liegt. 50-70% des gesamten Welthandels wird über die Offshoreunternehmen abgewickelt und man glaubt, dass die Hälfte der globalen Geldmenge zu irgendeinem Zeitpunkt über die Offshorekonten fliesst.

Für die mächtigen Multis und Unternehmer bieten die Zentren die einmalige Möglichkeit ihre Gewinne zu verheimlichen, indem man durch Transaktionen Gewinne und Verluste veschleiert und nur dort Steuern zahlt, wo die Forderungen am geringsten sind. Sogenannte Scheinfirmen, die keine andere Funktion haben als Aktivas auszuweisen sind ein gebräuchliches Mittel. Um Gewinne zu verschleiern kann eine Firma z.B. ihre Patente, Autorenrechte, Produktionsrechte und Lizensen in eine Offshorescheinfirma transferieren und hat somit einen geringen Steueraufwand zu zahlen. Auch werden in die Scheinfirmen Schulden die noch an Aktionäre zu zahlen sind, versteckt.

Das Unternehmen Enron hat sich ein weltweites Netz von 3500 Scheinfirmen aufgebaut, wovon allein 440 auf den Caimaninseln registriert sind.

Eine der gängigsten Methoden Gewinne zu verschleiern geschieht mittels falscher Preisdeklarationen. Die Hälfte des Welthandels realisiert sich innerhalb der Multinationalen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften. Preise werden verfälscht und hin und her geschoben, so dass die Multis ihre Gewinn- und Verlustrechnung nach eigenem Geschmack ausstellen können.

Ein Unternehmen verkauft z. B. ein Exportprodukt an seine Offshoregesellschaft zu einem reduzierten Preis, die Filiale verkauft das Produkt zu dem höheren internationalen Marktpreis und der Gewinn verbleibt in der Offshoregesellschaft. Auch kann die Offshorekompanie ihrerseits ein Produkt zu internationalen Marktpreisen importieren und die Ware dann zu einem hohen Preis an seine Muttergesellschaft weiterverkaufen, sodass das Unternehmen hohe Kosten abführen kann.

Kürzlich entdeckte man Exportwaren, die mit falschen Preisen ausgezeichnet waren. Bulldozer waren mit einem Preis von 527,94 $ deklariert, Gabelstapler kosteten 384,14 $ alle wohlgemerkt das Stück. Importwaren wie Zahnbürsten aus England kosteten 5655 $ / Stck oder Lampen aus Japan 5000 $ / Stck.

Der Steuereinnahmeverlust des amerikanischen Schatzamtes betrug im Jahre 2001 53,1 Milliarden Dollar. Amerikanischen Steuerexperten zufolge hat sich das Steueraufkommen, bedingt durch das Offshoregeschäft, seit den siebziger Jahren von 30% auf 8% verringert. Von 250 amerikanischen Grossunternehmen zahlte ein Drittel zwischen 2001 und 2003 keine Gewinnsteuer, obwohl im gleichen Zeitraum Dividenden von 1,1 Billionen $ an die Aktionäre ausgezahlt wurden.

Raymund Baker, Autor von Capitalism's Achill Heel, schätzt, dass Multinationale für einen weltweiten Steuerverlust von 200 Milliarden $ jährlich verantwortlich sind. Gemäss des Tax Justice Network in Grossbritanien würde man jährlich 255 Milliarden $ einnehmen, wenn man nur die 11 Billionen Dollar mit 30 % versteuern würde, die in den Offshoreunternehmen gelagert sind.

Wenn schon die Steuerflucht die reichen Länder auf der Nordhemisphäre beunruhigt, so trifft das die Schwellen - und Entwicklungsländer noch härter. Das Offshorefinanzsystem fördert eine massive Kapitalflucht, vor allem in China und Russland, wie auch in den Entwicklungsländern. Jährlich werden durch Preisverfälschungen dort mindestens 288 Milliarden $ umgeleitet.

Russland trifft es dabei am härtesten, zwischen 200 und 500 Milliarden Dollar waren es allein in dem Zeitraum 1998 bis 2004. In China waren es in den Jahren 1992 - 2001 laut IWF 127 Milliarden Dollar. Die Hälfte der in China getätigten Auslandsdirektinvestitionen (IED) ist ursprünglich chinesisches Geld, das illegal aus dem Land gebracht wurde und als Teil eines ausländischen Unternehmens getarnt (Joint Venture oder Mischgesellschaft) wieder in das Land zurückkommt. Fast 45 % des IED in China hat ihren Ursprung in Scheingesellschaften, die in Hong Kong, den Caimaninseln oder den Virginisland stationiert sind.

In den Entwicklungsländern fehlt es gewöhnlich an administrativen Systemen, die den komplexen Finanztransfers der Multinationalen nachspüren können.

Die Afrikanische Union bemerkt dazu, dass jährlich mindestens 148 Milliarden Dollar aus der Region verschwinden, deren Ziel zumeist Offshorekonten sind. Durch die üblichen Tricks der Mächtigen und Multis verliert der Kontinent jährlich 11 Milliarden $. Nach Schätzungen haben afrikanische “Eliten” ca. 700-800 Milliarden $ in den Offshorezentren versteckt. Über Jahre hinweg haben sich die Herrscher mit Hilfe des Offshoresystemes die Säcke gefüllt und den Kontinent seiner Schätze beraubt.

Der indonesische Diktator Suharto liess 35 Milliarden $ während seiner Amtszeit in Offshorekonten weltweit verschwinden und die Citybank half Raul Salinas, dem Bruder des mexikanischen Ex- Präsidenten, enorme Trusts und weltweit operierende AG's aufzubauen und Offshorekonten anzulegen, wo er das gestohlene Geld sicher unterbringen konnte. Die Riggs Bank in Washington schuf Scheinfirmen und anonyme Offshoregeschäftskonten für den chilenischen Diktator Pinochet. Die Bank beurteilte in einer Dokumentation den Diktator Pinochet als eine Geschäftsmann, der viel Erfolg in seiner Karriere hatte und während seiner geschäftlichen Aktivitäten sich ein Vermögen erarbeitet hatte, das er gedenkt für einen angenehmen Lebensabend ausgeben zu wollen.

In Nigeria schuf der Diktator Sani Abacka zwischen 1993 und 1998 Milliarden von Dollar auf Offshorekonten in der Schweiz, Luxemburg, London und Lichtenstein, andere wie Mobutu und Bokassa stehen ihm da in nichts nach.

Die illegale Kapitalflucht in die Offshorezentren der Welt hat ohne Übertreibung Hunderttausende von Menschen in den ärmsten Gebieten der Welt in den Hungertod getrieben, desweiteren wurden so Gesundheitssysteme, Bildungseinrichtungen und die öffentliche Infrastruktur völlig heruntergewirtschaftet. Seltsamerweise stehen gutbezahlte Finanzbuchhalter, Anwälte und Bankmanager dabei nie im Blickpunkt der Machenschaften.

 

Was tun ?

Obwohl sich die Regierungen aller Länder über die Kosten und Ausmasse bewusst sind, die das Offshorefinanzsystem bewirkt, ist es jedoch wegen der zunehmenden Globalisierung kaum möglich dem Wirken der Finanzmärkte Einhalt zu gebieten. Oxfam, the Red of Financial Justice und andere ähnliche Organisationen haben eine Anzahl von Vorschlägen, die zur Eindämmung des Offshorebuisnesses führen könnten, vorgelegt.

 

Schluss mit der Geheimniskrämerei

Es ist notwendig zwischen Privatrechten der Bürger und Finanzgeheimnissen zu unterscheiden. Geheimniskrämerei ist der Motor des Offshoregeschäftes. Schweizer Nummernkonten liessen es zu, dass die Nazis ihre geraubte Beute dort ungehindert deponieren konnten. Auflegungspflichten, Herkunftsangaben sowie andere Massnahmen, die den Ursprung der hinterlegten Schätze offenlegen, sollen zu einer leichteren Identifizierung führen. Diese Informationen müssen regelmässig zwischen den Ländern ausgetauscht werden.

 

Hilfeleistungen für die kleinen Offshoreländer

Viele der kleinen Steuerparadiese benötigen internationale wirtschaftliche Unterstützung, um ihre Wirtschaft zu diversifizieren und nicht mehr auf das Offshorebusiness angewiesen zu sein.

 

Vereinheitlichung der Steuerkriterien für Unternehmen

Das ist eines der grössten Probleme einen internationalen Konsenz zu erreichen. Trotzdem muss es möglich sein Normen und Regeln zu schaffen, die es den Multinationalen erschweren aus dem Wettbewerb und den Gegensätzen der verschiedenen internationalen Steuernormen Vorteile zu ziehen.

 

Strafen für Geldwäsche und Steuerhinterziehung

Zu selten werden die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Anwälte; Finanzbuchhalter, Banker und andere Spezialisten, die absichtlich in dem schmutzigen Geschäft tätig sind müssen mit härteren Strafen rechnen, egal wo auch immer sie ihre kriminellen Handlungen ausüben.

 

Weltweite Steuerbehörde

Eine Organisation, die z.B. auf internationalen Diskussionsforen Vorschläge und Praktiken im Umgang mit der Steuerpolitik ausarbeitet.

Ausarbeitung eines internationalen Abkommens, die zur Wiedererlangung der geraubten Schätze führt

Grosse Teile der Reichtümer, die illegal entfernt wurden sind nie zurückgegeben worden und haben sich in öffentliche Schulden verkehrt. Nummern- und Geheimkonten verhindern die Zurückgabe der geraubten Finanzmittel. Öffentliche Debatten sind dabei unerlässlich. Verschiedene Gruppen und Organisationen bestehen darauf, dass die Steuerfrage in die aktuelle Problematik, die soziale Gerechtigkeit und die soziale Verantwortung der Unternehmen mit einfliessen muss.

Steuern sind der Preis, den man für das Leben in einer demokratischen Gesellschaft zu zahlen hat. Die Steuern sind eine fundamentale Basis gerechter Gesellschaften, weil sie für Güter und öffentliche Dienstleistungen aufkommen, die zum Wohl aller sind.



Letzte Aktualisierung ( Samstag, 15. März 2008 )
 
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